Protagonist Leon Schwarzbaum: Biografie

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Der letzte

Jolly Boy

PROTAGONIST LEON SCHWARZBAUM

BIOGRAFIE

Leon Schwarzbaum wurde am 20.2.1921 in Hamburg-Altona geboren. Seine Eltern waren polnische Juden, die kurz vor dem 1.Weltkrieg nach Hamburg gezogen waren. Der Vater war Altmetall Händler und die kleine Familie kam irgendwie über die Runden. Die Sehnsucht nach einem besseren Leben trieb den Vater 1922 für ein Jahr nach Argentinien – er wollte gute Bedingungen schaffen für eine Auswanderung. Nach seiner Rückkehr hatte die Mutter sich aber entschieden, doch nicht nach Amerika auswandern zu wollen, sie hatte Heimweh nach der Heimat Bedzin in Oberschlesien, bei Kattowitz. Eine Stadt mit 30.000 Einwohnern, die meisten Juden, mit einer lebendigen Kultur und Gewerbestätten aller Art. Die kleine Auswanderer-Familie aus Hamburg zog also in die Kolluntaja Strasse 55, dort wohnten schon die Großmutter, die Geschwister, Onkels, Tanten und Cousinen. Im Dachgeschoss gründet das Ehepaar Schwarzbaum eine kleine Daunen- und Bettdecken-Manufaktur. (Im Film besuchen wir dieses Haus, und Leon Schwarzbaum ist empört über die unklaren Besitzverhältnisse.)



Leon ist ein guter Schüler, er treibt leidenschaftlich Sport und singt und steppt mit Freunden in der A-cappella Gruppe „Die Jolly Boys“. Das jüdische Gymnasium wurde von Simon Fürstenberg gestiftet und unterhalten, einem Onkel von Leon, der mit einer Zinkblechfabrik reich geworden war.

Anfang September 1939, Leon hat grade sein Abitur gemacht – er möchte Zahnmedizin studieren – fallen die Deutschen in Polen ein. In Bedzin wird am 8. September die Synagoge angezündet, dutzende Menschen werden ermordet. Im Laufe der nächsten Jahre wird das Ghetto Kamionka eingerichtet, die dort wohnenden Polen werden vertrieben, die Juden hineingepfercht. Anfangs arbeitet Leon noch in der ‚jüdischen Verwaltung‘ als Telefonist, später ist er Zwangsarbeiter im deutschen Galvanisierungsbetrieb „Tönskemper“. 

Leon Schwarzbaum zeigt ein privates Foto, auf dem er mit seinen Eltern und einem Onkel ist. Entstanden ist das Bild um 1936. Daneben zu erkennen: die KZ-Kennzeichnung, die ihm in Auschwitz eintätowiert wurde © Reto Klar, WAZ.

Im Sommer 1943 wird das Ghetto geräumt und fast alle Menschen werden mit der Reichsbahn ins 60 Kilometer entfernte Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Dort wird die große Mehrheit sofort vergast. Leon erfährt davon, als er Anfang August 1943 ebenfalls in Auschwitz ankommt, und der Tätowierer ihm vom Schicksal der Bedziner Juden berichtet. Der Tätowierer rät ihm, sich nach einer ‚leichten‘ Arbeit im Lager umzusehen, ansonsten wäre er bald tot.


Am nächsten Morgen meldet sich Leon als „Läufer“ beim Lagerältesten in Auschwitz. Neun Monate ist er „Läufer“, dann kommen Ingenieure ins Lager und suchen Fachkräfte für das Siemens-Schuckert-Außenlager „Bobrek“. Leon meldet sich. Bis Januar 1945 ist er daraufhin, gemeinsam mit 250 anderen Männern und 30 Frauen, Zwangsarbeiter bei Siemens. 


Im Januar 1945 rückt die russische Armee näher. Der sogenannte „Todesmarsch von Auschwitz“ beginnt. Es geht nach Gleiwitz, von dort in offenen Waggons nach Buchenwald. Dort tauchen nach ein paar Tagen wieder Siemens-Ingenieure auf und beordern 88 Zwangsarbeiter nach Berlin, in das Sachsenhausen-Außenlager Haselhorst in Berlin-Siemensstadt. Zum Arbeitseinsatz kommt es wegen der alliierten Bombenangriffe aber nicht mehr.

Ende April tritt Leon Schwarzbaum dann den zweiten ’Todes-marsch’ an, von Sachsenhausen Richtung Schwerin. Tausende sterben vor Schwäche oder werden ermordet. Anfang Mai 1945 erlebt er dann endlich die Befreiung durch die Amerikaner in der Nähe von Schwerin.

Leon Schwarzbaum möchte nach Polen in die Heimat zurück, will wissen, wer noch lebt. Ein jüdischer, russischer Offizier ermöglicht ihm die Reise nach Bedzin. Dort muss Leon Schwarzbaum feststellen, dass kein Jude mehr dort ist und die Polen nicht erfreut auf den Heimkehrer reagieren. Er schlägt sich nach Stettin durch, arbeitet dort einige Monate als Übersetzter für die polnische Polizei, um dann mit Hilfe der Fluchthilfe-Organisation des späteren Filmproduzenten Arthur „Atze“ Brauner nach Berlin zu entkommen. Im Umfeld Brauners schlägt er sich mit Geschäften aller Art durch – es zählt nur das Überleben. In einer kleinen Clique jüdischer Auschwitz-Überlebender findet er Halt, deswegen bleibt Leon Schwarzbaum in Berlin. Endlich findet er ein wenig Geborgenheit – und genießt das Berliner Leben in vollen Zügen.


Leon Schwarzbaum spezialisiert sich auf den Export von Kunstgegenständen nach Amerika, speziell New York. Dort lebt inzwischen einer der „Jolly Boys“ – man vertraut sich, die Geschäfte gehen gut. 1950 reist er nach Amerika aus. Nach nur einem Jahr kommt er zurück – Heimweh nach Berlin.

Er trifft seine spätere (nicht jüdische) Frau, die beiden heiraten und betreiben über Jahrzehnte ein gut gehendes Geschäft mit Antiquitäten und Kunstgegenständen. 


Erst im hohen Alter spricht Leon Schwarzbaum das erste Mal über seine Erlebnisse und den Holocaust. Er besucht Schulen, will das Vergessen verhindern. In dieser Zeit lernen sich Hans-Erich Viet und er kennen. Sie beschließen, einen Film über sein Leben zu machen. Im Laufe der Dreharbeiten lernt Leon Schwarzbaum die Anwälte der letzten SS-Auschwitz-Prozesse kennen, Thomas Walther und Cornelius Nestler. Er wird 2016 Zeuge und Nebenkläger im Detmolder Auschwitz-Prozess gegen Reinhold Hanning.

Leon Schwarzbaum ist heute 97 Jahre alt. Er lebt in Berlin und begleitet die Filmvorführungen und Kinotermine, wann immer es seine Gesundheit zulässt.

Impressum


Viet Filmproduktion, Hans-Erich Viet
Film-Vertrieb: RFF Real Fiction Film, Köln

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